Nanine Linning & Bart Hess

Kaum etwas hat sich in den letzten Jahrzehnten schneller entwickelt als die Technologie, mit der wir uns im Alltag umgeben. Moderne Kommunikationsmedien schrumpfen die Welt auf ein Global Village im Taschenformat. Medizintechnik und gentechnische Manipulation nähren den Traum vom perfekten Körper und versprechen ein Leben, in dem Sterblichkeit nicht mehr als ein leerer Begriff ist. Fortschritte auf den Gebieten der Robotik und der künstlichen Intelligenz rücken die faszinierende Idee vom künstlichen Menschen in greifbare Nähe. SILVER thematisiert die Schattenseiten dieser wechselseitigen Durchdringung von Mensch und Technologie und hinterfragt das Fortschrittsversprechen das sich dahinter verbirgt.

Wo steht der Mensch, wenn seine eigene Schöpfung ihm den Rang abläuft? In SILVER entwirft Choreographin Nanine Linning zusammen mit ihren zwölf Tänzern ein dystopisches Zukunftsszenario, in dem Mensch und Maschine kaum noch voneinander zu unterscheiden sind. Sich mechanisch bewegende Tänzer bevölkern die Bühne genauso wie vermeintlich tanzende Maschinen und fremdartige hybride Wesen, die sich jeglichem Kategorisierungsversuch entziehen und bewusst die Wahrnehmung irritieren. Das für sie charakteristische poetische Bewegungsrepertoire verbindet Linning dabei gekonnt mit Einflüssen aus dem “Popping” zu einer eigenen Tanzsprache zwischen bildgewaltiger Gestik und marionettenhafter Abstraktion. Mensch, Maschine, Roboter, Cyborg, amorphes Hirngespinst aus einer digitalen Welt – sicher ist letztendlich nur das Spiel der Bilder, der Zweifel am Gesehenen und die Faszination des Unbekannten.

Nachdem sich Nanine Linning in HIERONYMUS B. auf eine Reise in die Vergangenheit begeben hat, richtet sie in SILVER den Blick Richtung Zukunft. Inspiration hierfür findet sie in der Forschungsarbeit prominenter Wissenschaftler in den Bereichen dynamische Systeme und Kybernetik, Klassikern aus der Weltliteratur und ikonischen Werken der bildenden Kunst. Wie zuvor schon für VOICE OVER und SYNTHETIC TWIN arbeitet sie erneut mit Komponist Michiel Jansen zusammen, der dem Dialog zwischen Mensch und Maschine, Kunst und Wissenschaft, Tanz und Technologie ein eigenes musikalisches Klangspektrum verleiht. Im futuristischen Bühnenraum von Designer Bart Hess erschließt sich SILVER als eine gleichsam vertraute wie unheimliche Totalerfahrung.

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